Im zweiten Teil dieses Interviews gibt Marco Drösemeyer Hinweise zum Thema Mentoring und berichtet von seiner Tätigkeit als IHK-Prüfer.

Was hältst Du von Mentoring-Programmen in der Weiterbildungsbranche, bei denen junge Kollegen Unterstützung von ‚alten Hasen‘ bekommen?

Das finde ich eine gute Sache. Natürlich gibt es auch da mehrere Seiten der Medaille. Von den ‚alten Hasen‘ lernen ist gut. Jeder fängt mal klein an und braucht einen gewissen Einstieg.

Aber man kann natürlich auch falsche Dinge übernehmen, weil es schon immer so war und man es nicht besser weiß. Das sehe ich als eine Gefahr in diesem Tätigkeitsumfeld an.

Die Frage ist auch immer, wie dieses finanzierbar ist und wie viel Zeit einem der Bildungsträger im Vorfeld zur Vorbereitung gibt. Viele Einsätze ergeben sich ja direkt von Anfang an als ‚Ad hoc‘-Einsätze. Da ist Improvisations- und Dispositionstalent gefragt.

 

Hattest du selbst einen Mentor bzw. hättest Du Dir am Anfang Deines Dozentenlebens so jemanden gewünscht?

mentoringIch hatte zwei-, dreimal die Möglichkeit im Vorfeld zu hospitieren, mir den Unterricht und die Gestaltung anzugucken und danach dem jeweiligen Dozenten oder auch dem Fachbereichsleiter profunde Fragen zu stellen. Das hat mir einen kleinen Ansatz von Hilfestellung gegeben.

 

Ein echtes Mentoring war das aber ganz sicher nicht. Ich muss aber ganz ehrlich sein, ich weiß gar nicht, ob das immer so notwendig ist. Man kann sich nämlich auch leicht schlechte Gewohnheiten abgucken. Ein Beispiel: Sie sind generell ein kommunikationsstarker Typ und Dozent und erfahren ein Mentoring von einem Kollegen, der einen eher schweigsamen und auf Eigenlernanteil basierenden Unterricht durchführt; dann kann Sie das in Ihrer Wahrnehmung auch nachhaltig negativ beeinflussen.

In dem Fall bin ich froh, dass ich meinen eigenen Weg finden musste und sozusagen zu einem Großteil der Aufträge ‚ins kalte Wasser geschmissen‘ wurde. Wenn ich aber einem jungen Kollegen an dieser Stelle einen generellen Tipp geben darf, Kommunikation ist immer gut und wichtig. Egal, wie es die ‚alten Hasen‘ gemacht haben, die junge Generation bringt immer etwas Neues ein und das ist auch gut so.

Man muss nämlich auch den Wandel in den Unterrichtsmethoden, das Lernverhalten usw. berücksichtigen. Deshalb sage ich, mehr Kommunikation ist in der Regel besser als zu dürftige Kommunikation im Verhältnis Dozent zum Teilnehmer.

 

Du bist als ehrenamtlicher Prüfer für die IHK tätig. Welche Aufgaben hast Du dabei?

Ich werde als ehrenamtlicher Prüfer für den Beruf Fachkraft für Lagerlogistik von meiner Industrie- und Handelskammer eingesetzt und kann mich dabei sowohl mit meinem Fachwissen als auch mit der generellen Förderung des Nachwuchses in diesem Berufszweig einsetzen. Das halte ich für eine sehr gute und soziale Aufgabe am Nachwuchs.

Dabei kann ich als Prüfer direkt an der Prüfstation einer Zwischenprüfung oder Abschlussprüfung eingesetzt werden. Ich kann mitwirken beim Beurteilen der Berichtshefte der Prüflinge.

Ich selber werde momentan vor allem in der Regie (den Ablauf der praktischen Prüfung managen und das Kontrollieren der Ergebnisse) als auch in der Planung der zukünftigen fachtheoretischen Prüfungen in Einklang mit der Kammer und den Berufsschulen und Berufsschullehrern eingesetzt.

 

Was bringt der Status eines IHK-Prüfers an Positivem für Dein Dozentenleben?

Zunächst bin ich sehr glücklich darüber, mich sozial bei einer guten Sache zu engagieren. Die Ausbildung von zukünftigen Fachkräften ist eine wichtige Aufgabe. Insofern ist dieses Ehrenamt vor allem eine Herzensangelegenheit.

marco droesemeyer

Darüber hinaus stehe ich als Fachmann mit meiner profunden praktischen als auch theoretischen Erfahrung im Bereich Logistik zur Verfügung und kann meinen Beitrag zum Ablauf einer ordentlichen und fairen Prüfung leisten.

Schließlich kann ich mich selber als Dozent für das Tagesgeschäft im Bereich Logistik immer wieder selber reflektieren. Ich weiß worauf es ankommt, welche Schwerpunkte gesetzt werden und wohin der Trend in der Ausbildung geht.

Als ehrenamtlicher Prüfer nehmen mir die Teilnehmer aus diesem Fachbereich noch eher die Wichtigkeit gewisser Sachverhalte für eine ordnungsgemäße Prüfungsvorbereitung ab, als einem anderen Dozentenkollegen, der nicht einem solchen Ehrenamt nachgeht.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Marco Drösemeyer ist erreichbar unter folgender Internetadresse:

www.dcc.droesi.de

office@droesi.de

 

Im ersten Teil dieses Interviews berichtet Marco Drösemeyer von seinen Erfahrungen mit Kollegen in der Dozentenbranche und zeigt, wie alle Seiten von einem kollegialen Verhalten profitieren können.

Dieses Interview ist Teil des Ratgeberbuchs „Dozent werden“, das im FELDHAUS-Verlag erschienen ist.

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