Eine Schreckens-Vorstellung: Sie bekommen Ihren ersten Lehrauftrag und müssen extrem kurzfristig, d.h. innerhalb von 24 Stunden, Ihre erste Unterrichtsstunde vorbereiten! Damit das nicht im Chaos endet, haben wir hier die 7 wichtigsten Tipps in einem „Erste-Hilfe-Kit“ für Sie zusammengestellt.

erste unterrichtsstunde

Stellen Sie sich einmal die folgende Situation vor: Sie bekommen einen Anruf von einer Bildungseinrichtung, bei der Sie sich kürzlich beworben haben, und sollen von einem erkrankten Dozenten ein Seminar übernehmen. Ihre erste Unterrichtssunde soll schon am nächsten Tag stattfinden und Sie wissen nichts über den Kenntnisstand der TeilnehmerInnen. Als kleiner Extra-Thrill: Sie verfügen bislang noch über keinerlei Lehrerfahrung!

Was Ihnen jetzt weiterhilft, ist unser 7-Punkte-Erste-Hilfe-Kit!

  1. Informationen sammeln

Versuchen Sie, so viele Informationen Ihrer Teilnehmergruppe zusammen zu tragen, wie eben möglich: Was ist das Ziel des Lehrgangs? Wie groß ist die Gruppe? Welches Vorwissen haben die Teilnehmer? Welche Unterrichtsinhalte wurden bislang vermittelt?

Als Informationsquellen können z.B. die Institutsleitung, Ihre Dozentenkollegen (und da vor allem Ihr direkter Vorgänger im Seminar) oder „Klassenbücher“ dienen.

  1. Module vorbereiten

Planen Sie Ihre erste Unterrichtsstunde am besten modular. Das bedeutet, dass die verschiedenen Unterrichtsinhalte nicht streng aufeinander aufbauen sollten. So können Sie flexibel auf die Situation vor Ort reagieren und Module umstellen, vielleicht einzelne Module ganz weglassen und dafür andere Module hinzufügen.

  1. Abwechslung einplanen

Sorgen Sie für Abwechslung in Ihrer ersten Seminarstunde und setzen Sie verschieden Medien ein: Texte, Lehrvideos, Audiodateien, Internetrecherchen, authentische Materialien (z.B. bei handwerklich orientierten Unterrichtsstunden), Fallbeispiele etc.

Wenn Sie technische Geräte verwenden (z.B. einen Beamer), dann machen Sie sich rechtzeitig vor Ihrer Stunde mit der Bedienung dieser Geräte vertraut.

  1. Materialien und technische Hilfsmittel überprüfen

Stellen Sie sicher, dass Sie alle notwendigen Materialien für Ihre erste Unterrichtsstunde zur Hand haben: Marker (non-permanent) für Whiteboards, genügend Stifte und Papier (auch für die TeilnehmerInnen), ausreichend Textkopien, Tafelkreide…

Überprüfen Sie vor der ersten Stunde, ob alle technischen Geräte, die Ihnen der Bildungsträger zur Verfügung stellt, vor Ort sind und tatsächlich funktionieren. Bringen Sie zur Sicherheit auch eine Verlängerungsschnur aus Ihrem eigenen Bestand mit – und vergessen Sie nicht, sie am Ende der Stunde wieder mitzunehmen!

  1. Arbeitsaufträge verteilen

Verteilen Sie Arbeitsaufträge an Ihre Teilnehmer. Der Unterricht läuft für Sie dann erheblich entspannter ab, weil sich die Lerner ihren Lernstoff weitestgehend selbst aneignen. Sie müssen nur Impulse setzen und brauchen dann eine Weile nicht in Aktion zu treten.

„Typische“ Arbeitsaufträge sind z.B.:

  • Zusammenfassung und Bewertung eines Lehr-Textes oder Videos
  • Ausfüllen eines Lückentextes, in dem die Schlüsselbegriffe fehlen
  • Erstellen einer Mindmap zum Thema (z.B. im Rahmen von Partner- oder Gruppenarbeit)
  • Formulierung von Leitfragen zu den Lerninhalten
  • Umwandlung der Informationen eines (Lehr-) Videos in ein anderes Medium, z.B. in einen Zeitungsartikel, in eine Gebrauchsanweisung oder in eine Grafik.
  • Bei handwerklich orientierten Kursen: Herumreichen und Beschreibung der wichtigsten „Instrumente“ bzw. Materialien

 

  1. Persönliches

Wenn Sie kurzfristig den Kurs von einem anderen Dozenten übernommen haben, sollte am besten der/die Institutsleiter/in der Lerngruppe die aktuelle Situation erklären und auf etwaige Fragen antworten.

Sie können sich für sich selbst ein paar Eingangssätze überlegen, mit denen Sie sich den Teilnehmenden präsentieren wollen. Nutzen Sie dabei positive Formulierungen wie „Von Hause aus bin ich…“, statt nervös herumzudrucksen: „Das ist meine erste Unterrichtsstunde, überhaupt das erste Mal, dass ich ein Seminar leiten muss…“

Noch ein Tipp aus der Praxis: Nehmen Sie sich etwas zu trinken oder Lutschbonbons mit, damit Sie reagieren können, falls Sie heiser werden. Kaugummikauen (und vor allem dessen Entsorgung) wirkt dagegen absolut unprofessionell und den TeilnehmerInnen gegenüber respektlos.

  1. Sicherheitszone

Wenn Sie schneller mit Ihrem Lernstoff durchkommen, als Sie gedacht haben, oder wenn ein Modul nicht richtig klappen will, dann sollten Sie immer (!) genug Lehrstoff und zusätzliche Übungen in der Hinterhand haben. Gerade für Neu-DozentInnen  ist es ratsam, am besten das Doppelte (!) der geplanten Unterrichtszeit inhaltlich füllen zu können. Diese zusätzliche Vorbereitung ist auf keinen Fall umsonst: Wenn Sie diesmal nicht soweit kommen, können Sie Ihre Ideen einfach in der nächsten Unterrichtsstunde umsetzen.

Dieser Blogbeitrag beruht auf dem Ratgeber „Dozent werden“, verfasst von den beiden Leitern der Fernstudienakademie, Anne Oppermann und Gereon Franken, und veröffentlicht im Feldhaus-Verlag.

Wenn Sie weitere Informationen zu unserem staatlich zugelassenen Lehrgang „Dozent/in in der Erwachsenenbildung“ haben wollen, dann melden Sie sich doch einfach bei uns, z.B. über das Kontaktformular. Gerne schicken wir Ihnen – natürlich kostenlos und unverbindlich – unsere Infobroschüre und auch den ersten Lehrbrief dieses Lehrgangs zu.

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